Für Bildungsträger · Bildungsberatung
Wie finden Bildungsträger passende Weiterbildungen für ihre Teilnehmenden?
Von Quentin Sunderbrink (Gründer von DYD, IHK-Prüfer) · veröffentlicht am
Eine passende Weiterbildung findest du in vier Schritten: das Ausgangsprofil der teilnehmenden Person erfassen, ein realistisches berufliches Ziel klären, die fehlenden Kompetenzen zwischen beiden bestimmen und erst dann Angebote gegen diese Lücke prüfen – nach Inhalt, Niveau, Format, Dauer und Förderfähigkeit. Wer mit dem Kurskatalog statt mit der Person beginnt, empfiehlt leicht das, was gerade verfügbar ist, statt das, was weiterhilft.
Schritt 1: Das Ausgangsprofil erfassen
Halte fest, was die Person bereits mitbringt – nicht nur Abschlüsse, sondern auch Erfahrung:
- Abschlüsse und Zertifikate
- Berufliche Stationen mit den wichtigsten Tätigkeiten
- Kompetenzen aus Nebenjobs, Ehrenamt oder Familie, sofern sie belegbar sind
- Sprachen und digitale Kenntnisse mit realistischem Niveau
- Rahmenbedingungen: verfügbare Zeit, Mobilität, Betreuungspflichten, gesundheitliche Einschränkungen, Lernerfahrung
Ein Lebenslauf ist ein guter Ausgangspunkt, aber oft unvollständig. Im Gespräch kommen häufig Tätigkeiten zur Sprache, die nirgends stehen.
Schritt 2: Das berufliche Ziel klären
Ohne Ziel lässt sich keine Lücke berechnen. Kläre gemeinsam:
- Welche Tätigkeit oder welcher Beruf ist das Ziel – möglichst konkret?
- Gibt es in der Region oder im gewünschten Arbeitsmodell Nachfrage nach diesem Beruf? Aktuelle Stellenanzeigen sind ein einfacher Realitätscheck.
- Gibt es Zwischenschritte, wenn das Ziel weit entfernt ist?
Schritt 3: Fehlende Kompetenzen bestimmen
Vergleiche die Anforderungen des Zielberufs mit dem Ausgangsprofil. Am besten gelingt das, wenn beide Seiten mit denselben Begriffen beschrieben werden. Eine Grundlage dafür ist ESCO, die mehrsprachige europäische Klassifikation für Fähigkeiten, Kompetenzen und Berufe der Europäischen Kommission.
Ordne jede Anforderung ein:
- Vorhanden – muss nicht noch einmal gelernt werden
- Teilweise vorhanden – Auffrischung oder Vertiefung reicht
- Fehlt – hier liegt der eigentliche Weiterbildungsbedarf
Priorisiere die Lücken, die im Zielberuf am häufigsten verlangt werden und ohne die ein Einstieg nicht möglich ist.
Schritt 4: Angebote prüfen
Prüfe jedes infrage kommende Angebot gegen die Lücke aus Schritt 3:
- Inhalt: Werden genau die fehlenden Kompetenzen vermittelt – oder vor allem Vorhandenes?
- Niveau und Voraussetzungen: Passt der Einstieg zum aktuellen Stand?
- Abschluss: Ist das Zertifikat im Zielberuf bekannt und anerkannt?
- Format und Dauer: Präsenz, online oder hybrid; Vollzeit oder berufsbegleitend – passend zu den Rahmenbedingungen aus Schritt 1?
- Praxisanteil: Gibt es Projekte oder ein Praktikum, das als Nachweis dient?
- Förderung: Wird die Weiterbildung gefördert, etwa mit einem Bildungsgutschein?
Förderung über den Bildungsgutschein
Bei einer Förderung der beruflichen Weiterbildung nach § 81 SGB III wird der teilnehmenden Person das Vorliegen der Fördervoraussetzungen mit einem Bildungsgutschein bescheinigt. Dieser kann zeitlich befristet sowie regional und auf bestimmte Bildungsziele beschränkt werden. Prüfe deshalb, ob das Angebot zum eingetragenen Bildungsziel und zur Region passt. Für die Zulassung von Trägern gilt die Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV).
Schritt 5: Empfehlung begründen und dokumentieren
Eine gute Empfehlung lässt sich in wenigen Sätzen begründen: welche Lücke das Angebot schließt, warum dieses Format passt und was danach kommt. Das hilft der teilnehmenden Person bei der Entscheidung, Kostenträgern bei der Prüfung und deinem Team bei späteren Rückfragen.
- Gibt es kein passendes Angebot im eigenen Portfolio, sag das offen. Eine ehrliche Weiterverweisung stärkt das Vertrauen.
- Plane ein Gespräch nach Abschluss ein: Hat die Weiterbildung die Lücke tatsächlich geschlossen?
Wo DYD ORBIT ansetzt
DYD ORBIT ist ein Werkzeug für Bildungsträger, Volkshochschulen, IHK und Transfergesellschaften. Interessierte geben Werdegang und Zielrolle an; ORBIT liest die Kompetenzen aus, berechnet die Lücke zur Zielrolle nach ESCO und empfiehlt passende Kurse aus deinem hinterlegten Portfolio mit einer Begründung. Die Anfrage wird mit diesen Informationen an dich übergeben. Den Weiterbildungs-Finder kannst du per iframe auf deiner eigenen Website einbinden.
Wichtig für die Einordnung: ORBIT gleicht mit deinem Kursportfolio ab. Für eine trägerübergreifende Beratung brauchst du zusätzlich einen neutralen Blick auf andere Angebote. Die abschließende Empfehlung trifft immer die Beratung.
Nächster Schritt
DYD ORBIT gleicht den Werdegang von Interessierten mit ihrer Zielrolle ab, berechnet die Kompetenzlücke nach ESCO und empfiehlt passende Kurse aus deinem Portfolio – mit Begründung. ORBIT lässt sich 7 Tage kostenlos testen.
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Häufige Fragen
Wie lange sollte die Ermittlung des Weiterbildungsbedarfs dauern?
Für das Ausgangsprofil und das Ziel genügt oft ein ausführliches Erstgespräch mit Vorbereitung durch die teilnehmende Person, etwa einen aktuellen Lebenslauf. Bei unklarem Ziel lohnen sich zwei Termine.
Was tun, wenn das Ziel der teilnehmenden Person unrealistisch erscheint?
Mach die Lücke sichtbar und besprich Zwischenschritte. Eine nachvollziehbare Gegenüberstellung von Anforderungen und vorhandenen Kompetenzen überzeugt meist besser als ein pauschales „Das passt nicht“.
Kann eine Software die Beratung ersetzen?
Nein. Software kann Kompetenzen strukturieren, Lücken berechnen und Angebote vorschlagen. Rahmenbedingungen, Motivation und Förderfragen gehören in das Gespräch mit einer Beraterin oder einem Berater.
Quellen
- § 81 SGB III – Grundsatz (Förderung der beruflichen Weiterbildung, Bildungsgutschein) – Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- § 2 AZAV – Trägerzulassung – Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- Was ist ESCO? – Europäische Kommission